.

Auszug aus dem Katalogtext von Ulrike Gurt, Leipzig 2005

 

Die fotografischen Arbeiten...


... von Andreas Wünschirs  nehmen uns mit auf eine Reise der Erkenntnis, thematisieren das unaufhörliche Bewusstmachen der eigenen Subjektivität, des eigenen Kontextes, des eigenen Standpunktes, sowohl topografisch, als auch mental. Sie bieten uns einen Dialog über eine exemplarische Annäherung an Gegenstände, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden, nicht mit dem Ziel, uns die  Geschichte, sondern eine mögliche Geschichte dieser Örtlichkeiten, denen sich Wünschirs mit seiner Kamera nähert, vorzuführen. Er wählt mal mehr, mal weniger explizit Orte aus, an denen verschiedene Zeitlichkeiten aufeinanderprallen, Orte, die sich in einem Dazwischen zwischen Hier und Jetzt und Damals und Dort befinden, und möchte mit seinen  Bildausschnitten die Wahrnehmung als nomadisch, als ursprungs- und ziellos entlarven.


Wünschirs spielt mit der wirklichkeitsverheißenden Macht der Fotografie, er will uns täuschen und doch ehrlich sein, wohl wissend, dass dieses Medium sein Versprechen, Realität abzubilden nicht mehr halten kann. Und doch ermöglichen es uns die präzise konzipierten Farbfotografien, einen Schritt in Richtung Erkenntnis zu gehen, während wir das Gesehene im Kopf dekonstruieren und wieder neu zusammensetzen - ein Akt, bei dem uns der Fotograf eine Hilfestellung gibt, indem er sich einer seriellen Arbeitsweise verschrieben hat, die dem Betrachter mehr als eine Ansicht eines Motivs ermöglicht. Um diese differenzierten An-sichten zu erreichen, verändert er Parameter der Bildkonstitution, mal den Blickwinkel, mal die räumliche, mal die zeitliche Distanz.


Die Art und Weise, wie er damit während des Fotografierens seinen Standpunkt verändert, nutzt er als metaphorischen Hinweis auf die unentdeckten Möglichkeiten, die uns im Leben ein Perspektivenwechsel bieten mag. Besondere Bedeutung für ihn hat hierbei die Thematik der deutschen Geschichte, die sich als eine Art roter Faden durch seine Bilder zieht, und ihm als Sprungbrett dient, allgemeingültige Fragen zur Geschichtsbewältigung zu formulieren. Und dabei beschränkt er sich nicht auf das Feld der großen Geschichte, der Faktengeschichte, nein, ebenso nimmt er Aspekte der Alltagsgeschichte unter die Lupe und unterstreicht damit die immense Wichtigkeit, diese nicht außer Acht zu lassen. Wünschirs bietet uns ein visuelles Gespräch an, das die Lücken einer Geschichte, so wie sie hätte gewesen sein können, zu füllen vermag.

 

 

>>>



.
.

xxnoxx_zaehler